KASTANIENALLEE – MODERNISIERUNG UND DACHNEUBAU EINER VILLA

Das Grundstück befindet sich im Berliner Westend und wurde 1900 mit einem 3-stöckigen Zweifamilienwohnhaus bebaut. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Wir haben das Gebäude in einem guten baulichen, jedoch modernisierungsbedürftigen  Zustand vorgefunden. Ursprüngliche Bauteile wie Fischgrätparkett, Schmuckdecken, Türen, Fenster, etc waren noch vorhanden und konnten erhalten werden. Lediglich das Dach samt Tragwerk befand sich in einem schlechten baulichen Zustand und musste vollständig erneuert werden. Die haustechnische Ausstattung war veraltet und wurde komplett erneuert.

Ursprünglich befanden sich im Erdgeschoss und Obergeschoss des großen Wohnhauses zwei großbürgerliche Wohnungen und im Souterrain und Dachgeschoss die dazugehörigen Wirtschaftsräume und Zimmer für Bedienstete.

Durch punktuell radikale Eingriffe in den Bestandsgrundriss wurden die beiden Wohnungen EG und OG zu einer Hauptwohnung für die 5-köpfige Bauherrenfamilie vereint. Im Souterrain sowie im Dachgeschoss wurden zwei zusätzliche separate, familientaugliche Wohneinheiten geschaffen.

Ziel der Sanierung war es, unter Erhalten möglichst vieler historischer Bauteile die Gebäudehülle thermisch zu verbessern und durch eine moderne Haustechnik den Energiebedarf des Gebäudes zu verringern.

Ökologie

Es wurden ausschließlich ökologische Baumaterialien verwendet. Kalkputze , Lehmputze und Lehmedelputze, im Kaminzimmer wurden dem Lehmedelputz gemahlener Glimmer beigemischt. Hierdurch entstehen spannende Reflexe bei der Bewegung der Bewohner durch den Raum.

Im Dach und allen neu erstellten Wänden wurde Dämmung aus Holzwolle Dämmplatten verbaut. Stopfhanf dient als nachträgliche Abdichtung der Doppelkastenfenster im zweischaligen Mauerwerk. Lehmfarben, geölte Massivholzböden und weiß geöltes Sichtbalkenwerk unterstützen die Diffusionsoffenheit der Gebäudehülle und tragen zu einem ausgeglichenen Wohnklima auch im Winter bei.

Spannungsfeld Alt – Neu

Bewußt liessen wir die Eingriffe in den Bestand sichtbar.
In Respekt vor dem Vorgefundenen wurde das erhalten, was erhaltenswert ist, ohne das Alte nachzuahmen oder zu rekonstruieren.
Alle neuen  Elemente und Grundrissänderungen sind als solche klar erkennbar.
Durch diese Brüche entsteht ein Spannungsfeld, in dem beide– Alt und Neu– sich nebeneinander selbstbewußt behaupten.

Im EG wurde der traditionelle Altbau-Grundriss radikal aufgebrochen.
Gartenseitig wurden alle nicht tragenden Wände zurückgebaut, so dass ein 70 qm großer lichter Wohnraum entsteht, in dem die Familie kocht, isst, spielt, ankommt. Der loftartige Raum wird das neue Herz, Dreh- und Angelpunkt der Bauherrenwohnung.

Der geschliffene Estrichboden schafft einen Kontrast zu den angrenzenden Bestandszimmern mit altem Fischgrät Parkett, das lediglich einer Überarbeitung bedurfte.

Um das EG und das OG mit den privaten Schlafräumen zu verbinden, setzten wir eine neue interne Treppe in das Bestandsgebäude.

 

Ort: Berlin-Westend
Größe (BGF): 800 m2
Programm: Wohnen
Bauherr: Privat
LPh: 1-8
Fertigstellung: Ende 2017